Wer träumt nicht davon, bei einer Wohnungsbewerbung das grosse Los zu ziehen? Natürlich gehört ein Quäntchen Glück dazu. Wenn Sie allerdings mit Systematik dahinter gehen und schneller agieren als andere, erhöhen Sie Ihre Chancen beträchtlich.

Tauschen wir zuerst kurz die Perspektive: Wie sieht eine Wohnungsbewerbung aus Sicht eines Hauseigentümers oder einer Verwalterin aus? Meldet sich ein Interessent mit mageren zwei Zeilen, wird der Empfänger des Briefs das Dossier gleich aussortieren. „Schicken Sie mir doch bitte die Vermietungsunterlagen“, „gerne werde ich das Dossier genauer studieren…“ – Solche Floskeln lösen bei den Eigentümern gar nichts aus. Höchstens ein Gähnen.

Farbig schreiben!

Vermeiden Sie Standard-Sätze und Floskeln. Teilen Sie mehr mit als bloss Ihren Namen, den Beruf und Ihre Telefonnummer. Die Bewerbung sollte sympathisch rüberkommen. Irgendetwas sollte auffallen und im Gedächtnis haften bleiben. Nehmen Sie unseren Musterbrief als Vorlage. Sie müssen nur Namen, Verwaltung, Bezeichnung des Objekts und die persönlichen Angaben anpassen.


Wohnungsbewerbung

Wohnungsbewerbung: Profis und Makler in der Immobilienwirtschaft wählen die Interessenten oft nach Sympathie und dem ersten Eindruck aus.

Versuchen Sie zum Beispiel einen persönlichen Kontakt zum zuständigen Verwalter bzw. zur zuständigen Bewirtschafterin herzustellen. Warum nicht einfach mal anrufen und Ihr Interesse kundtun?

Mit den Augen des Vermieters sehen

Wichtig ist in jeder Phase: Versetzen Sie sich in die Rolle Ihres Gegenübers. Der Vermieter sucht ohne Zweifel einen sympathischen Mieter, eine nette Familie, die aber auch solvent sein sollten. Sympathie, der erste Eindruck und Solvenz gelten bei Profis in der Branche als entscheidende Kriterien.

Bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie die Ausschreibung sehr gründlich gelesen haben; es macht wenig Sinn, sich für eine Seniorenwohnung zu melden, wenn Sie eine WG mit Studenten gründen wollen. Fragen Sie nicht nach den Nebenkosten, wenn diese in den Unterlagen bereits aufgeführt sind.

Auffallen. Aber positiv!

Bewerberinnen und Bewerber dürfen aber originell sein. Denken Sie auch an das Visuelle: Legen Sie am besten gleich ein gutes Bild bei oder kopieren Sie eine Bilddatei in das Bewerbungsschreiben. Oder noch besser: Warum nicht ein kleines eigenes Video produzieren, um sich persönlich vorzustellen? Schliesslich ist das Wohnen etwas vom Wichtigsten im Leben. Sie sollten genauso viel Aufwand treiben wie für eine Stellenbewerbung.

Wohnungsbewerbung: Denken Sie beim Brief und den Unterlagen auch an das Visuelle. Am besten integrieren sich gleich Fotos oder vielleicht drehen Sie sogar ein sympatisches Video, um sich vorzustellen. (Fotos: fotolia)

Checkliste Wohnungsbewerbung: Finden Sie die Traumwohnung

  1. Wohnbedürfnisse festlegen: Klären Sie im Voraus, was genau Sie suchen (Grösse und Zimmerzahl, Standort, maximal tragbarer Preis, Umfeld, Ausstattung, Altbau oder Neubau etc.). Wenn Sie kein klares Profil definieren, verlieren Sie sich rasch in der Fülle des Angebots.
  2. Referenzen: Ist eine für Sie passende Wohnung ausgeschrieben, sollten Sie alle Unterlagen schon parat haben! Dazu zählen Referenzen (vor allem des jetzigen Vermieters), Nachweis und Unterlagen zu Ihrem Einkommen sowie ein aktueller Auszug aus dem Betreibungsregister (dieses Dokument erhalten Sie gegen eine geringe Gebühr in Ihrer Wohnsitzgemeinde bzw. im Quartier- oder Kreisbüro Ihrer Stadt).
  3. Online suchen: Über 90 Prozent der freien oder neu gebauten Wohnungen werden heute auf dem Internet ausgeschrieben. Mit Suchabos sichern Sie sich einen Informationsvorsprung und agieren schneller als andere! Richtig eingerichtet, bietet Ihnen ein Suchabo eine unverzügliche Mitteilung, wenn etwas Passendes auf den Markt kommt.
  4. Kreativ suchen: Viele, aber nicht alle Wohnungen sind öffentlich auf dem Internet ausgeschrieben. Mund-zu-Mund-Propaganda hilft oft weiter, an andere rare Gelegenheiten zu kommen. Posten Sie auf den sozialen Medien, dass Sie eine Wohnung suchen! Sagen Sie es im Verwandten- und Freundeskreis. Der Multiplikator-Effekt wirkt oft Wunder.
  5. Besichtigung: Auch wenn Wohnungen oft nur noch digital ausgeschrieben werden, findet fast immer eine Besichtigung statt. Versuchen Sie, mit dem Bewirtschafter ins Gespräch zu kommen. Sammeln Sie Informationen, sei es aufgrund der Vermietungsunterlagen, über die anderen Mieter im Haus, über die Hausverwaltung. Überlegen Sie sich, was für ein Mietertyp gesucht sein könnte. Je besser Sie sich in diese Ausgangslage hineindenken, umso besser können Sie sich selbst «verkaufen».
  6. Der erste Eindruck: Achten Sie darauf, dass alle Unterlagen vollständig und korrekt sind. Mails und schriftliche Unterlagen sollten korrekt und fehlerfrei sein (lassen Sie es wenn nötig von einem Kollegen lesen). Seien Sie unbedingt pünktlich und schauen Sie, dass Sie gut erreichbar sind. Wie blöd wäre es, wenn Sie den Zuschlag nicht bekommen, weil sie gleich mehrere Tage „offline“ sind.
  7. Selbst-Marketing: Fachleute sagen, eine Wohnungsbewerbung sei heute genauso gründlich anzugehen wie eine Stellenbewerbung. Wie können Sie sich von der Masse abheben und positiv auffallen? Oft ist es schon viel wert, möglichst frühzeitig mit der zuständigen Person der Verwaltung in Kontakt zu kommen. Versuchen Sie den Namen herauszufinden und rufen Sie an – damit heben Sie sich schon von allen anderen ab, die dann in der Flut von Mails und sonstigen Anfragen untergehen.
  8. Bewerbung: Heute sind die Chancen nicht mehr allzu gross, über eine «blinde» Wohnungsbewerbung zu einem guten Angebot zu bekommen. Bewerben Sie sich daher ganz explizit auf eine tatsächlich ausgeschriebene Wohnung und gehen Sie sehr konkret auf dieses Angebot ein. Beachten Sie unbedingt auch das in den Unterlagen oder bei der Online-Ausschreibung vorgegebene Prozedere. Was sie unbedingt vermeiden sollten: keine Massen- und Sammelmails an Verwaltungen! 
  9. Netzwerk: Manchmal werden Wohnungen auch unter der Hand vergeben, oder es sind Mieter, die eine Wohnung kurzfristig ausschreiben («Ersatz-Mieter gesucht»). Wenn Sie sich laufend im Bekanntenkreis umhören, verbessern sich Ihre Chancen. Kontaktieren Sie auch Beratungsstellen Ihrer Gemeinde, fragen Sie bei Genossenschaften und Stiftungen.
  10. Suchradius: Auch wenn Sie im Quartier verankert sind – überlegen Sie sich bei der Wohnungsbewerbung, ob der Suchradius nicht erweitert werden kann. Das führt zu einer wesentlich grösseren Auswahl und erhöht die Chancen.

 

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