Es gibt eine Menge wunderbarer Gründe, sehr viel fürs Wohnen auszugeben. Doch im aktuellen Umfeld gilt: Wohnungsinteressenten sind gut beraten, zuerst einmal einen Budgetplan aufzustellen. Was bleibt vom Lohn nach Abzug aller Kosten wie Haushalt, Versicherungen und Steuern?

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Das ist so oder ähnlich wohl schon vielen Leuten passiert: Sie haben sich gleich auf Anhieb in ihre Traumwohnung verliebt – komfortabel, geräumig und dann erst noch an der besten Adresse im Quartier. Wenn da bloss die hohe Miete nicht wäre!

Es gilt die bewährte Regel: Wer auf Wohnungssuche ist, sollte erst einmal herausfinden, was die höchstmögliche Miete ist. Das schöne Wohnen macht dann richtig Freude, wenn auch finanziell alles im Lot ist. Und zwar längerfristig. Eine teure Autoreparatur oder eine ungeplante Zahnarztrechnung sollten nicht gleich zur Katastrophe werden. Wo die Balance zwischen verfügbarem Lohn und Wohnkosten (inklusive alle Nebenkosten) liegt, muss jeder selbst herausfinden.

Zuerst rechnen, dann mieten

Wenn wir die Probe aufs Exempel machen würden: Nur ganz wenige Leute wissen auf den Franken genau, wie sich eigentlich ihr Haushaltsbudget zusammensetzt. Kommt dazu, dass manche Ausgaben regelmässig anfallen, manche unregelmässig und sporadisch. Was das Budget fürs Wohnen hergibt, zeigt die individuelle Budgetplanung. Als regelmässige Einkünfte anrechenbar ist das Einkommen gemäss Lohnausweis, allenfalls weitere Einkünfte aus Renten, Sozialversicherungen, Alimente etc. Wichtig ist, dass Sie nur die tatsächlichen, fixen Positionen kalkulieren. Die Bonus-Zahlung vom Vorjahr ist für dieses Jahr vielleicht nicht gesichert. Und man sollte das Budget nicht schönrechnen – etwa im Hinblick auf eine sehnlich erhoffte Beförderung und Lohnerhöhung.

Die Fixkosten schätzen

Zu den Ausgaben: In der Schweiz schwanken diese Positionen enorm und hängen von der Haushaltform, vom Alter und vom Lebensstil ab. Kommt dazu: Es macht bei den Steuern, bei den ortsüblichen Mieten oder auch bei der Krankenkasse einen grossen Unterschied, ob Sie im Appenzell, im Mittelland oder in Genf wohnen. Mit dem gleichen Budget, das auf dem Land für drei oder vier Zimmer reicht, werden Sie sich in Zürich oder Genf nur eine kleine Bleibe leisten können.

Wenn Sie Ihre Finanzen auf Herz und Nieren prüfen, sind meist folgende Positionen wichtig:

  • Haushalt, Nahrungsmittel, auswärts essen etc.
  • Handy, Kommunikation, Fernsehgebühr, Internet
  • Abonnemente und Medien (Streaming, Zeitschriften, Vereinsmitgliedschaften etc.)
  • Steuern (Bund, Kanton, Gemeinde)
  • Krankenkasse und Versicherungen
  • Gesundheit, Fitness, Zahnarzt
  • Freizeit, Sport, Ferien
  • Fahrzeug, Verkehr, Mobilität, öV-Abonnemente
  • Ausgaben für Kinder (je nach deren Alter, je nach Familienform).

Miete: Nicht mehr als ein Drittel

Die in der Schweiz anerkannte Faustregel besagt: Ein Mieterhaushalt sollte nicht mehr als ein Drittel des verfügbaren Bruttoeinkommens fürs Wohnen ausgeben. Die Rechnung an sich ist schnell gemacht. Nehmen wir als «Musterhaushalt» Simon und Elisabeth Fuchs. Sie erzielen gemeinsam ein Haushaltseinkommen von brutto 135’000 Franken: Maximale Miete (inkl. Nebenkosten): 135’000 / 3 = 45’000 (=3’750 Franken, inkl. NK).

Die erste grobe Rechnung zu den Wohnkosten sieht ja solid aus. Doch sollte man sich den Grundsatz zu Herzen nehmen, sämtliche Einnahmen und die regelmässigen Kosten anhand eines eigenen Budgets durchzuspielen. Denn wenn das Paar ein oder zwei Kinder hat und noch Kosten für Fremdbetreuung zu decken sind, präsentiert sich die Rechnung anders. Viele Familien haben heute allen Grund, speziell günstige Wohnungen zu suchen.

Hand aufs Herz: Es kommt wohl öfters vor, dass Privatpersonen die tatsächlichen Kosten zu tief schätzen als umgekehrt. Bei der Drittel-Regel sollten Haushalte nur dann ans obere Limit gehen, wenn sie ein gesichertes Einkommen erzielen und mit beruflichen Aufstiegschancen rechnen. Für Alleinerziehende oder Familien mit zwei oder drei Kindern müssen die Wohnkosten meist tiefer angesetzt werden (zum Beispiel nur 20 oder 25 Prozent des Lohns brutto). Besonders vorsichtig sollten Personen agieren, die Schulden oder anderweitige fixe Verpflichtungen haben (Alimente, Unterhaltszahlungen, Pflegekosten, langfristige Leasing-Raten etc.).

Praxis: Wer bekommt die Wohnung?

Um den Zuschlag für eine Wohnung zu bekommen, spielt in der Schweiz tatsächlich die besagte Faustregel eine zentrale Rolle. Das bestätigen übereinstimmend grosse Verwaltungen. Ein Sprecher von Wincasa sagt zum Beispiel:

Die Faustregel, dass die Miete nicht mehr als ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen sollte, ist auch bei uns gängige Praxis.

Ausnahmen seien unter gewissen Voraussetzungen möglich, etwa bei Doppelverdienern. Aber grundsätzlich werden zum Beispiel bei Paaren die gemeinsamen Erwerbseinkünfte als ein Einkommen gerechnet. Bei der Bewerbung kommt es weiter auf die Prüfung der Bonitätsauskunft respektive eines aktuellen Auszugs aus dem Betreibungsregister an.

Falls der Auszug nicht «blütenrein» sollte, wird sich der Bewerber vielleicht erklären müssen; aber in der Praxis kommt es auf den Zusammenhang an. Selbst seriösen und sehr zuverlässigen Mietern kann es passieren, dass sie einmal betrieben werden – etwa bei einem Rechtsstreit.

Weitere Dokumente wie Lohnausweis oder andere Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen seien nicht notwendig. «Es ist aber Praxis, dass Referenzen beim Arbeitgeber und beim Vorvermieter überprüft werden», erläutert der Sprecher von Wincasa.

Wenn ein Interessent die Bewerbung online einreicht, geht es im Kern um die gleichen Informationen. Eine Sprecherin des Immobiliendienstleisters Privera sagt dazu: «Bei der Bewerbung muss ein amtlich anerkannter Ausweis sowie ein Betreibungsregisterauszug mitgeschickt werden.» Dieser Auszug dürfe nicht älter als drei Monate sein, so die Sprecherin. Beim Online-Formular müssen Angaben zum aktuellen Einkommen gemacht werden.

Damit Sie auch mit Ihrem Bewerbungsschreiben für Ihre Traumwohnung glänzen, finden Sie hier eine Mustervorlage: https://blog.newhome.ch/blog/de/mieten/wohnungsbewerbung-diese-10-tipps-sollten-sie-kennen/

Wohnen und Löhne in der Schweiz

Seit dem Ausbruch der Pandemie letztes Jahr werden viele Verwaltungen bei den tragbaren Wohnkosten noch genauer hinschauen als eh schon. Immerhin ist damit zu rechnen, dass immer noch viele Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt werden oder zumindest eine Zeit lang von der Arbeitslosenhilfe leben. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Wohnkosten für Mieter in den letzten 10 bis 20 Jahren meist mindestens so stark gestiegen sind wie die Löhne.

Woher kommt der Eindruck, dass man bei der Wohnungssuche sehr schnell ans Limit kommt? Der Wohnungsmarkt ist je nach Region mehr oder weniger angespannt. In den grossen Wirtschaftszentren ist von Entwarnung keine Spur. Nach den offiziellen Zahlen des BfS (Bundesamt für Statistik) macht die durchschnittliche Belastung für Miete bzw. Wohnen etwa 20 Prozent des Einkommens aus. Doch bei diesem Mittelwert fliessen auch die relativ günstigen Mieten in ländlichen Gegenden oder in Altbauten mit ein. In der Schweiz ist es auch nicht selten, dass sich manche Haushalte günstige Wohnkosten «ersitzen».

Solange es keine Mieterwechsel gibt, schlagen die Mieten kaum auf. Teurer wird es oft dann, wenn Wohnungen neu ausgeschrieben werden. Nach der geltenden Rechtsprechung ist es möglich, dass sich der Vermieter dann nach den orts- und quartierüblichen Mieten richtet. Wir folgern daraus: Bei den neu ausgeschriebenen Wohnungen sieht die Quote zwischen Miete und Einkommen oft weniger günstig aus als in vielen Altbauten.

Mieten oder kaufen?

Fassen wir zusammen: Wer bei der Wohnungssuche gute Karten haben will, sollte auf die Tragbarkeit achten. Je besser Sie aufgrund Ihrer Zahlen und Ihres Budgets argumentieren können, umso höher liegen Ihre Chancen. Es gibt noch einen anderen triftigen Grund, Ihr individuelles Budget detailliert durchzuspielen: Da wir tiefe Hypothekarzinsen haben, macht es Sinn, die Variante Wohneigentum als Alternative zu prüfen. Denn bei vergleichsweise hohen Mieten könnten Sie sich mit dem gleichen Geld ein Eigenheim leisten.

Budgetberatungsstellen und Budgetvorlagen: http://www.budgetberatung.ch/Budgetbeispiele.19.0.html

Budgetbeispiel: Familie mit 1 KindCHF
Einnahmen netto pro Monat6’500
Ausgaben:
Wohnen1’700
Steuern580
Krankenversicherung840
Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung40
Handy, Internet, TV, Serafe160
Haushaltsstrom70
Öffentlicher Verkehr190
Haushalt, Lebensmittel, Getränke1’050
Persönliche Ausgaben:
Frau (Kleider, Coiffeur, Freizeit, Taschengeld)250
Mann (Kleider, Coiffeur, Freizeit, Taschengeld)250
Kind120
Rückstellungen:
Selbstbehalt, Franchise, Krankenkasse90
Zahnarzt70
Geschenke70
Gemeinsame Freizeit, Schule, Lager120
Unvorhergesehenes140
Summe:
Einnahmen6’500
Total Ausgaben fix5’740
Verfügbarer Betrag:
insbesondere für: Ferien, Weiterbildung, Kinderbetreuung, Anschaffungen, Sparen, Vorsorge etc.760

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