Wer mit jungen Menschen zusammenarbeitet oder hoch qualifizierte Talente sucht, sollte sich mit der Generation Z auseinandersetzen (kurz Gen Z). Deren Wertvorstellungen und Visionen lassen zugleich erkennen, was den Konsum und das Wohnen von Morgen prägen könnte. Tatsache ist: Wer nach dem Jahr 2000 geboren wurde, tickt anders.

Je nach Definition zählen die Jahrgänge 1995 bis 2005 zur Generation Z. In der neueren Literatur fallen sogar alle Jahrgänge von 1997 bis 2012 darunter. Soziologen prägten auch den Begriff Gen Z für diese Altersgruppe. Die Generation Z ist in eine neue, sich rasch ändernde Zeit geboren worden: Diese Menschen sind von Anfang mit der Digitalisierung und einer zusehends vernetzten Welt aufgewachsen. Ihr Alltag und ihr Beruf sind mehr noch als bei den etwas älteren Millennials digital bestimmt. Es sind im engeren Sinne «digital natives». Sie gelten als technikaffin, versiert im Umgang mit Apps und Smartphones. Sie sind es gewohnt, ganz anders zu kommunizieren. Viele absolvieren oft eine längere, gute Ausbildung. Was die Generation Z vom Rest abhebt, sind die Wertvorstellungen:  

  • Beruf: Sie arbeiten nicht allein des Geldes wegen und streben auch nicht unbedingt eine klassische bürgerliche Berufskarriere an.
  • Sinn: Sie suchen im Leben und bei der Arbeit nach dem Sinn dahinter, sie fühlen sich für die Gesellschaft mitverantwortlich.
  • Lebensziele: Im Berufs- wie im Privatleben ist ihnen Selbstverwirklichung wichtig. Damit einher geht auch der Wunsch, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
  • Sozial: Familie, Freunde und Beziehungen haben einen hohen Stellenwert für die Gen Z.
  • Kommunikation: Soziale Medien und das Internet nutzen sie nicht nur, um sich zu informieren oder zur Unterhaltung. Die digitale Welt ist für sie eine Erweiterung der Realität.

Die Digitalisierung und der Wandel der Gesellschaft schaffen neue Formen der Lebensgestaltung: Besitz? Für die nächsten 10 Jahre fix planen? Das ist nicht unbedingt das Ding der «Digital Natives». Ein eigenes Auto? Nicht unbedingt. Die Sharing-Economy gilt als zentraler Gedanke der Generation Z.

Generation Z: Ein neuer Plan fürs Leben

Das gilt wohl auch fürs Wohnen und alles rundherum. «Pay, when you need it», lautet das Motto. Kauf erst, wenn du es brauchst. So werden auch die Umrisse deutlich, wie diese Generation wohnt: Flexibel, einfach und unkompliziert. Die Generation Z wohnt vorzugsweise nahe der Zentren, wo es attraktive, dynamische Arbeitgeber und viele Kontaktmöglichkeiten gibt. Es muss ein Ort sein, wo die Menschen Zugang zu einer Community und zu Gleichgesinnten haben (Konnektivität, Vernetzung, Wir-Gefühl).

Foto: MOVEment

All dies spricht für Micro-Appartements, vorzugsweise in Stadtnähe. Visionen wie das Leben auf kleinerem Format und das Umweltbewusstsein kommen hier zusammen. Damit sind zugleich Parallelen zur Tiny-House-Bewegung offenkundig: «Reduce to the Max». Das lässt die benötigte Wohnungsgrösse schrumpfen. Die Generation Z wird zumindest während oder direkt nach der Ausbildung erst einmal eine kleine Wohnung mieten. Eine eigene Firma zu gründen oder eine eigene Immobilie zu kaufen, sind eher längerfristige Projekte und Visionen.

Neues Wohnen: alles ganz anders

Eine erste Schlussfolgerung: Weil das Land an guten Stadtlagen knapp und teuer ist, kommt man nicht um neue Entwürfe herum. Ein Micro-Appartement bzw. der Grundriss müssen auf wenig Fläche alle wesentlichen Bedürfnisse im Leben eines «Digital Natives» abdecken. Das ist kurz gesagt die Wohnung von morgen.

So spricht nichts dagegen, die Wohnflächen variabel nutzbar zu machen und sie etwas bescheidener zu halten. Von selbst versteht sich, dass die «Digital Natives» auch nicht gleich mit einem Sattelschlepper voller Möbel und Kartonschachteln kommen. Im Gegenteil: Jeder Umzug soll flexibel und einfach umsetzbar sein. Überladene DVD-Gestelle, zentnerschwere Bücherregale und meterlange Schrankwände sind nur unnötiger Ballast!

Projekt in der Schweiz: Flexible Module

Einer der ersten Anbieter in der Schweiz, der sich dieser wichtigen Nische annahm, ist die Halter Gruppe: Unter der Marke «MOVEment» hat der Projektentwickler in Adliswil bei Zürich 2019 41 so genannte Micro-Appartements realisiert. Die Wohnungen bieten 34 bis 61 Quadratmeter Fläche; die günstigsten kosten um die 1’000 Franken Monatsmiete netto. Alex Valsecchi, Leiter Business Development bei Halter, sagt dazu: «Es gibt immer mehr Singles, Geschiedene und Verwitwete, immer mehr Berufsnomaden und Gutausgebildete, die spät Familien gründen – die Zahl der Einpersonenhaushalte wächst.» In der Vermarktung passt das Projekt auch für die Generation Z. Zu den Erstmietern gehören auffallend viele Leute, die hier zum ersten Mal im Leben eine Wohnung mieten. Und es wohnen auffallend viele junge, gut qualifizierte Frauen dort. 

Foto: MOVEment

Das Projekt von Halter basiert auf einem Prototypen des Architekten Angelo Roventa: Jede einzelne Wohnung setzt sich aus verschiedenen Modulen zusammen. Auf Knopfdruck passen sich die Räume den Bedürfnissen oder dem Tagesverlauf an – zum Schlafen, Wohnen oder Arbeiten. Angetrieben werden die beweglichen Module mit Ketten und Elektromotoren.

Inzwischen konnte Halter mit dieser Wohnanlage «The Jay» in Adliswil wertvolle Erfahrungen sammeln. Kürzlich hat die Firma im Claraturm in Basel weitere 35 MOVEment realisiert. In der ganzen Schweiz sind derzeit rund 300 weitere Einheiten in Planung oder in Bau. Längerfristig will Halter jedes Jahr eine grössere Zahl neuer Micro-Appartements auf den Markt bringen. Denn im Lauf der Zeit wird die Nachfrage nach spezifischen Angeboten für die Generation Z ohne Zweifel noch wachsen.

Generation Z: Wohnen und noch mehr

Der Vermarktungsspezialist Michael Blaser, Inhaber bei Blaser Gränicher AG in Küsnacht (ZH), rechnet mit neuen Herausforderungen:

Die Unterschiede bei der Generation Z fangen schon damit an, dass sie sich anders informieren und in der Vermarktung auch anders angesprochen werden müssen.

Bei der jüngeren Generation fällt dem Experten auf, dass das Drumherum und die Infrastruktur in der Umgebung fast noch wichtiger sind als die Wohnung selbst.

Falsch wäre es hingegen, jetzt nur noch in bestimmten Clustern zu bauen, also für sehr eng gefasste Zielgruppen – hier für die 20- bis 30-jährigen, dort die «Seniorenwohnungen» oder die Kleinwohnungen für Singles. «Die Erfahrung lehrt, dass die meisten Menschen ein lebendiges, gemischtes Umfeld und Kontaktmöglichkeiten suchen», so Michael Blaser. Wichtig ist auch, mit jeder Immobilie ein gewisses Selbstverständnis, ein Lebensgefühl und einen bestimmten Stil zu vermitteln. Einfach «80m² beheizte Fläche» mit einem Dach über dem Kopf taugt wohl kaum noch als Marketingkonzept – schon gar nicht angesichts der sich abzeichnenden Überkapazitäten auf dem Wohnungsmarkt der nächsten Jahre.

Digital Natives: Wer bestimmt die Wohnform?

Laut Experte Michael Blaser wird die Branche noch dazu lernen müssen: «Ich frage mich immer wieder: Wieso sind in den Baugremien und bei den Entscheidungsträgern meist nur die 50- bis 60-jährigen vertreten», so die rhetorische Frage. Unter dem Titel «Immobilienwerkstatt» hat der Dienstleister Blaser Gränicher deshalb ein eigenes Forum etabliert – kurz gesagt ein Netzwerk von Fachleuten aus der Bau- und Immobilienbranche. Getreu dem Motto: offen für alle, aber in jedem Fall unter Einbezug von jungen Talenten.

FAQ’s Generation Z:

Für Investoren und Projektentwickler von Investoren:

Im Gegensatz zu gängigen Mehrfamilienhäusern gelten Projekte mit Co-Living oder Micro-Appartements eher als Spezialimmobilien. Das bietet Chancen, ist meist aber auch mit höheren Risiken verbunden.

Die Nachfrager dieser Zielgruppe sind in jeder Hinsicht flexibel. In aller Regel ist auch mit häufigeren Mieterwechseln zu rechnen.

Schweizer Gebäude sind meist für 50 oder 60 Jahre gebaut. Die Marktrends ändern sich öfters in kürzeren Abständen. Eine flexibel anpassbare Immobilie bietet wichtige Wettbewerbsvorteile.

Für Wohnungssuchende:

Die Kostenkalkulation ist je nach Projektidee sehr unterschiedlich. Vergleichen Sie eine konkrete Offerte mit den sonst üblichen Mietpreisen.

Was ist an Zusatzleistungen oder gemeinsamer Infrastruktur geboten? Entspricht dies Ihren Vorstellungen? Was kostet das «Gesamtpaket»?

Eignen sich die Architektur, die privaten und öffentlichen Bereiche für sozialen Austausch.

Wie steht es um Kündigungsfristen, Untermiete, Hausordnung etc.?

Lassen sich gewisse Dinge auch gemeinsam nutzen oder sogar mieten? (zum Beispiel Möbel für die erste eigene Wohnung)?